Nachruf

Nachruf
für den
Gründungspräsidenten der Universität Augsburg
Prof. Dr. Dr. h. c. Louis Perridon
Ehrenmitglied der KDStV Algovia Augsburg im CV
geboren am 01.10.1918
verstorben am 17.12.2015

Als ich 1983 die Laudatio auf Louis Perridon anlässlich der Verleihung seiner Ehrenmitgliedschaft bei der KDStV Algovia Augsburg im CV
gehalten hatte, meinte er hinterher – humorvoll und offensichtlich zufrieden mit dem Gehörten -, ich müsse einmal seine Grabrede halten.
Dieser traurigen Pflicht komme ich in ehrendem Gedenken nun gerne mit die-sem Text nach. Eine Grabrede konnte nicht gehalten werden, da wir erst viel später von seinem Tod am Ort seiner letzten vier Lebensjahre in Rumänien, Hetzeldorf bzw. auf rumänisch Atel, erfuhren.
Ich lehne mich dabei an meine damalige Laudatio an und ergänze sie ent-sprechend.

Louis Perridon wurde in Rotterdam am 01.10.1918 – wie er mir einmal erzählte – in eine große katholische Familie als 6. Kind geboren. Einer seiner älteren Brü-der wurde Priester und später sogar Bischof.
Sonst berichtete er kaum etwas über seine Kinder-, Jugend- und Studenten-jahre. Nur, dass er im Widerstand gegen die Nazis aktiv war und in seiner Stu-dienzeit in Paris seine französische Frau kennenlernte, aber es auch fertig brachte, bei der Fahrt mit der Metro zum Rendezvous mit ihr so in die Lektüre vertieft zu sein, dass er nicht bemerkte, dass sie bereits mehrere Stationen mit ihm im gleichen Waggon fuhr.

Einige Daten aus seiner beruflichen und wissenschaftlichen Tätigkeit

Nach dem 2. Weltkrieg studierte Louis Perridon Wirtschafts- und Rechts-wissenschaften in Paris, Bordeaux und Saarbrücken. Er promovierte 1951 in Bordeaux und habilitierte 1959 in Saarbrücken.

Bereits jetzt beginnt eine typische Zweigleisigkeit:
Von 1947 bis 1952 war er beruflich tätig als Vizedirektor der Niederländischen Handelskammer in Paris und von 1952 bis 1954 als Attaché bei der General-direktion des Philips-Konzerns in Paris.

Diese enge Verbindung zwischen wissenschaftlicher Tätigkeit und praktischer Erfahrung war wohl prägend für sein späteres Wirken.

Ab Mitte der 50er Jahre widmete er sich ganz der Forschung und Lehre auf den Gebieten der internationalen vergleichenden Betriebswirtschaftslehre, der Ma-nagementlehre und der Geschichte und Philosophie der Wirtschafts-wissenschaften.
Daraus entwickelte sich als weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit das
Bemühen um die Integration von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
1960 gründete er die internationale Zeitschrift „Management International
Review“.
Von 1959 bis 1966 war er Privatdozent in Saarbrücken und Professor in Caen, von 1966 bis 1971 ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität München.
Von 1968 bis 1970 war er Gründungsbeauftragter für die geplante Wirt¬schafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule in Augsburg und nach dem überra-schenden Beschluss des Landtags für eine Universität von 1970 bis 1973 Grün-dungspräsident der Universität Augsburg.
Ab 1973 wirkte er als ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Augsburg bis zur Emeritierung im Jahre 1983.

Aber auch danach war er weiter mit Lehraufträgen in Caen und Augsburg aktiv. Außerdem half er tatkräftig beim Aufbau und bei der Pflege des Erasmus-Netzwerks der Augsburger Wirtschaftswissenschaften und war die treibende Kraft für den 1998 etablierten binationalen Studiengang „Deutsch-Französi-sches Management“ der Universitäten Augsburg und Rennes.
Bis 2008 hat er als Gutachter bei den Auswahlgesprächen dieses von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderten Studiengangs gewirkt.

Im Jahr seines 90. Geburtstages hielt er seine letzte Vorlesung an der Wirt-schaftswissenschaftlichen Fakultät im Sommersemester 2008 über das
Thema „Die europäische Wirtschaft vom 11. Jahrhundert bis zur französischen Revolu¬tion“.

Sein Wirken als Gründungspräsident – Ein paar wenige Erinnerungen

Ich lernte Professor Perridon kennen in vielen Stunden gemeinsamer Sitzun¬gen und Gespräche, während er als Gründungspräsident tätig war und ich als „Gründungsstudent“ im Gründungsausschuss, im Senat und im Fachbereichs¬rat mitwirken konnte.

Auf einen Nenner gebracht, möchte ich aus diesen Erfahrungen Louis Perridon kennzeichnen als:

Ideenträger und Pragmatiker
Visionär und Realist.

Wie wurde er doch zu Beginn 1970/71 von Studenten, Assistenten und einem Teil der Professoren missverstanden als „Handlanger“ des Kultusministe¬riums. 1972 wurde vielen von uns erst bewusst, dass gerade er der Garant war für die in Augsburg wenigstens ansatzweise versuchten Reformideen wie

– Mitbeteiligung Betroffener bei der Gestaltung der Universität bis hin zur „Drittel- und Viertelparität“
– Kleingruppenkonzept
– Integratives, problemorientiertes Studium über enge Fachgrenzen der früheren BWL und VWL hinaus
– Kontaktstudium.

Seine pragmatische Haltung wird an folgendem Beispiel besonders deutlich, als gleich zu Beginn der Universität vom Kultusministerium größter Formalis¬mus an den Tag gelegt wurde.
Nach unserem Rücktritt aus dem Selbstverwaltungsgremium als Studenten-vertreter war dieses nach Auffassung des Ministeriums nicht mehr handlungs-fähig; Präsident Perridon berief „informelle Dienstbesprechungen“ ein, bei
denen notwendige Aufgaben abgesprochen wurden; die zurückgetretenen Stu-dentenvertreter nahmen daran teil; nach der späteren Wiederwahl wurden formal diese Verabredungen bestätigt, so dass trotz dieses politischen Hick¬hacks kei-nerlei Zeitverlust im Aufbau der Universität eintrat.

Seine taktische Meisterleistung vollbrachte der Pragmatiker Perridon, als wir Studenten nach dem für uns schockierenden Verordnungserlass durch das Kul-tusministerium im Februar 1972 eine Streikwoche zu Beginn des Sommer-trimesters Ende April beschlossen; machte doch der Präsident aus dieser von uns geplanten Streikwoche eine offizielle hochschulpolitische Arbeitswoche, veranstaltet von der Universität, und lud auch die entsprechenden politischen und wissenschaftlichen Gesprächspartner außerhalb Augsburgs hierzu ein. Die von ihm wohl erhoffte Annäherung der Standpunkte zwischen den Gruppen blieb allerdings aus.

Diese beiden Beispiele können nur Belege von vielen sein für meine Fest-stellung:
In der schwierigen Ausbauphase der WiSo und der Universität Augsburg in den hochschulpolitisch unruhigen ersten 70er Jahren – zur Erinnerung: 1968 lag erst 2 Jahre zurück – trug Perridon durch sein unkonventionelles persönli¬ches We-sen entscheidend dazu bei, dass die an einer Universität immer wie¬der auftre-tenden Konflikte in akzeptabler Weise gelöst werden konnten und nicht wie an anderen deutschen Universitä¬ten zur Gewaltanwendung eska¬lierten.
Dafür hätte er den Augsburger Friedenspreis verdient gehabt, den es damals aber noch nicht gab.

Gingen in mancher Sitzung die Wogen hoch, so unterbrach er zu einer Pause, bot Whisky und Zigarillo an und nach einer halben Stunde diskutierten die Teil-nehmer wieder konstruktiv weiter. Dabei wahrte er selbstverständlich seine na-türliche Autorität. Es kam auch nie der Verdacht auf, er wolle sich damit anbie-dern.
Seine internationale Erfahrung als wahrer Kosmopolit ließ ihn gleichzeitig über-legen, aber auch liberal und offen im Dialog sein.

Manchmal gab er auch Anlass zu Missverständnissen, so bei seinem Antritts-besuch bei Bischof Dr. Stimpfle, bei dem er feststellte, dass er als holländi¬scher Katholik antiklerikal sei. In deutschen Ohren klang so etwas provozie¬rend, war aber gar nicht kirchenfeindlich gemeint, sondern war Ausdruck des Selbstbe-wusstseins eines katholischen Laien.

Konservative Theologieprofessoren nahmen es ihm übel, dass er ihnen im An-zug mit Rollkragenpullover die Ernennungsurkunde zum Professor an der Uni Augsburg überreichte.

Louis Perridon dachte in großen Zusammenhängen, war großzügig und Klein-lichkeit und Intoleranz waren ihm zuwider.

Eine Bemerkung persönlicher Art:

Der Vorname Louis würde auf bayerisch übersetzt Aloisius lauten. Nach einer allgemein bekannten Geschichte, die ihm sehr gefiel, wartet die Bayerische Staatsregierung noch heute auf dessen Eingebungen.
Als Aloisius-Louis noch in München tätig war, gab es immerhin Ansätze einer Anerkennung seiner Gedanken durch die Berufung zum Gründungsbeauf¬tragten und dann zum Gründungspräsidenten; während seiner Tätigkeit in Augsburg selbst wurde er aber dann nicht mehr als Vermittler genügend
anerkannt und unterstützt.

Die Baupläne des „Architekten“ der Uni Augsburg, wie ihn der damalige Präsi-dent Bottke bei der Feier seines 90. Geburtstags im Oktober 2008 bezeichnete, wurden nicht alle umgesetzt, ebenso wenig alle Innovationen.

Enge Verbindung zur und späteres Ehrenmitglied der Algovia

Beim Festkommers des 9. Stiftungsfestes 1972 hielt Präsident Perridon die Festrede. Viele unserer Bundes- und Cartellbrüder waren verblüfft, als er die vier Prinzipien des CV als die Grundprinzipien für die Gestaltung einer Uni-versität erläuterte.
In seinem Geleitwort in der Festschrift zum 10. Stiftungsfest 1973 rief er dazu auf, dass die Älteren den Jüngeren helfen und den Generationenkonflikt über-brücken sollen in dem Bewusstsein, dass Jugend die Gesellschaft von Morgen gestaltet. Andererseits sollten die Jüngeren die Erfahrungen der Älte¬ren nutzen und in einem echten Dialog um die aktuelle Ausformung der ewi¬gen Grundnor-men der Gesellschaft ringen.

Ensprechend dieser seiner Definition des Prinzips „amicitia“ war Louis Perridon persönlich immer bereit zur Mitwirkung, ohne sich lang bitten zu
lassen. Häufig war er Gast bei Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und
Podiumsgesprächen, aber nicht nur als Redner einer Veranstaltung, sondern auch schlicht als kompetenter Zuhörer und Gesprächsteilnehmer.
Wenn wir Räume für Veranstaltungen in der Universität brauchten, gab es nie-mals Probleme, eine Tatsache, die in den deutschen Hochschulen zur
damaligen Zeit gar nicht selbstverständlich war.
Schließlich fanden während seiner Präsidentenzeit die zwei CV-Studenten-vertreter im Senat und Fachbereichsrat, der leider schon verstorbene Gert Bro-sowski (später Gert Stephan) und ich, immer einen kooperationsbereiten und helfenden Partner.

Ein weiteres der Prinzipien des CV lautet „patria“. Gemeint ist damit der Ein¬satz für den freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat.

Perridon kämpfte für diese Ideale schon im Widerstand gegen den National-sozialismus. Er stand bereits an der Wand vor dem Erschießungskommando, aber offensichtlich hatte der liebe Gott noch etwas mit ihm vor; jedenfalls wurde er kurz vor der Exekution gerettet.

Auch für entsprechendes europäisches Bewusstsein kann Perridon als Vor¬reiter gelten: Ist er doch als Niederländer geboren, in Frankreich und Italien tätig ge-wesen, schließlich in Deutschland und sprach 6 Sprachen.
Von 1963 bis 1981 war er Generalsekretär der Europäischen Union der Wirt-schaftsprüfer, war Mitglied in der European Foundation for Management
Development und in der Europäischen Vereinigung der Finanzanalysten und schließlich als von ihm am meisten geschätzte Auszeichnung Mitglied der Academia degli studi aziendali in Bologna.
Im Jahr 2000 wurde er für sein „langjähriges und bis heute anhaltendes Wirken zugunsten der Vermittlung französischer Kultur in Deutschland und zugunsten der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich“ vom Französischen Minister für Bildung, Forschung und Technologie zum „Cheva¬lier de l’ordre des palmes académiques“ ernannt – eine Auszeichnung, die zum Bayerischen Ver-dienstorden hinzukam, den Perridon als späte Genug¬tuung erhalten hatte.

Zum Prinzip „scientia“ erübrigen sich Hinweise aufgrund seiner verdienstvol¬len wissenschaftlichen und hochschulpolitischen Tätigkeit.
Es bestand immer die Gefahr, dass Assistenten und Studenten seinen neuen Ideen und Ansätzen oft gar nicht so schnell folgen und sie umsetzen konnten, wie es notwendig gewesen wäre.

Wichtig erscheint mir noch ein Hinweis auf den Einbezug der Katholischen So-ziallehre in seine wissenschaftliche Arbeit, eine Besonderheit, die nicht
viele seiner Fachkollegen mit ihm teilten.
Ich hatte in meiner Studienzeit die einmalige Gelegenheit, ihn und den Nestor der Katholischen Soziallehre in Deutschland, Oswald von Nell-Breuning, nach dessen Gastvortrag im Auto zum Hause Perridons damals auf der Spickel-wiese zu chauffieren und die ungewöhnliche Gastfreundschaft des Ehepaares Perridon und den persönlichen Austausch mit Nell-Breuning zu genießen.
Nach den Grundsätzen des CV bedeutet das Prinzip „religio“ auch den Ein¬satz für das Verständnis innerhalb der Konfessionen. Perridon forderte schon zu Be-ginn der Universität Augsburg einen ökumenischen Lehrstuhl in der Stadt der Parität, des Augsburger Friedensfestes, des ökumenischen Pfingst¬treffens 1971 und später der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtferti-gungslehre 1999.
Aber auch hier fiel seine Anregung nicht auf fruchtbaren Boden.
Erst recht nicht sein späteres Plädoyer sogar für eine ökumenische Fakultät.

Was mir als langjähriger Kolping-Landesgeschäftsführer besonders gefiel:
Er war sich nicht zu schade, in den 70er und 80er Jahren im Bildungsbeirat des Kolping-Bildungswerkes Augsburg mitzuwirken und damit die berufliche Ju-gend- und Erwachsenenbildung dieses großen katholischen Bildungs¬trägers in der Diözese Augsburg weiter zu entwickeln.

Und schließlich war er persönlich ein gläubiger Katholik, den ich in den 70er Jahren häufig im Gottesdienst in Don Bosco traf, in dem der von ihm sehr ge-schätzte Theologieprofessor Leroy predigte.

Auch nach seiner Aufnahme als Ehrenmitglied war er immer wieder bei Ver-anstaltungen dabei und hielt Ende der 90er Jahre nochmals die Festrede bei ei-nem Stiftungsfest-Kommers im damals noch neuen Algovenhaus in der Heinrich von Buz-Straße.

Perridon an der Uni in den 80er Jahren

Im Beitrag „Die Wiso-Fakultät: Träume und Wirklichkeit“ im Band „Universität Augsburg 1970 – 1980“ stellt er am Schluss fest, dass viele Reformen, um die anfangs leidenschaftlich gekämpft wurde, nur teilweise oder gar nicht durch-gesetzt werden konnten, und fügt an:
„Es hat wenig Sinn, der Vergangenheit nachzutrauern: Es gilt, die Zukunft zu gestalten …
Wir werden mit den Harmonisierungs- und Normierungsmaßnahmen, die be-hördlicherseits getroffen werden, leben müssen. Wir können und müssen jedoch versuchen, diese im Sinne der Aufrechterhaltung einer ‚Augsburger Identität’ zu beeinflussen.“

Damit wurde deutlich: Er war bis zuletzt Pragmatiker und Ideenträger.
Beim dies academicus der Universität Augsburg am 15.06.1983, dem Jahr sei-ner Emeritierung, hielt Louis Perridon einen Vortrag zum Thema „Marx:
Ärgernis und Hoffnung“.
Er setzte sich mit der Person Marx auseinander und zog Parallelen zu Luther. Beide waren in ihrer damaligen Zeit Ketzer, die die Hoffnung für die einen dar-stellten und gleichzeitig ein Ärgernis für die anderen, die Etablierten.
Er beschrieb die Funktion der Ketzer als Auslöser des Kulturschocks in Um-bruchsituationen, wo neue Probleme, neue Fragen und neue Antworten nicht mit herkömmlichen Methoden zu leisten sind. Anspielungen auf unsere heutige Zeit waren nicht zu überhören.

Der damalige Präsident Meesen charakterisierte anschließend Louis Perridon als bekannt dafür, dass er sagt, was er für richtig hält. Er ist somit ein klassi-scher Vertreter der Unbedingtheit der Professoren-Aufgabe, die schließlich da-für bezahlt werden zu sagen, was als richtig erkannt wurde, auch wenn sie da-mit Ärgernis erregen.
Somit ist wohl aus berufenem Munde deutlich geworden, dass Louis Perridon ein würdiger Vertreter des Wahlspruches der Algovia „Für Wahrheit und Recht“ war.
Als Wertkonservativer erhob er, wo es ihm nur möglich war, seine Stimme ge-gen die Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft.

Resumé und Dank

Louis Perridon war seiner Zeit voraus.
Er konnte nicht ahnen, dass zum 10-jährigen der WiSo-Fakultät die studien-begleitenden Prüfungen abgeschafft werden, zum 20-jährigen neben den WiSo-Sudiengängen der eigene Studiengang BWL eingeführt wird und zum 30-jährigen die WiSo-Fakultät zur reinen Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät umbenannt wird. Klarer kann man den Verzicht auf die Gründungsideen nicht dokumentieren.
Nur das Kontaktstudium blieb zuerst als bundesweites Modell „Kontakt¬studium Management“ und später als „Zentrum für Wissenschaft und Wis¬senstransfer“ (ZWW) seit über 40 Jahren erhalten und ist ein erfolgreicher Baustein in der deutschen Universitätslandschaft.

Louis Perridon erkannte schon damals, dass für Manager soziale Kompetenz ei-ne unabdingbare Zusatzqualifikation sein muss – deshalb die Kombination der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei der Gründung.
Heute geben wir in der Wirtschaft Hunderte von Millionen dafür aus, Füh-rungskräfte fachlich in Richtung soziale Kompetenz weiter zu qualifizieren.

Wie falsch eine einseitige kapitalorientierte Ausbildung in den letzten Jahr-zehnten gewirkt hat, beweisen die Entwicklungen der Finanzwelt seit den Jahren 2007/2008.

Erst bei meiner Vorstellung vor dem Augsburger Stadtrat im Wahljahr 2008 wurde mir in der Vorbereitung klar, wie sehr mich das Studium in Augsburg und Louis Perridon persönlich geprägt haben. Seit damals vollzieht sich mein Leben beruflich und ehrenamtlich zwischen wirtschaftlichem Tun und sozia¬lem Enga-gement.
Für diese Prägung meiner Studentengeneration konnte ich ihm zum 90.
Geburtstag auch öffentlich beim Festakt der Universität Danke sagen.

Wenn wir es nicht schaffen, den Dialog zwischen Wirtschaft und Sozialem
Bereich zu intensivieren, dann wird das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft und unsere staatliche Ordnung sinken, die darauf ausgerichtet ist, die Prinzipien der Personalität, der Subsidiarität und der Solidarität sowie der Nachhaltigkeit zu verwirklichen.

Dies sollten wir alle im Louis’schen Sinne als geistiges Erbe und Auftrag für un-ser weiteres Wirken verstehen.

Eine letzte Erinnerung

Nach der Feier seines 90. Geburtstages im Jahr 2008 konnte ich Louis Perridon zum letzten Mal treffen anlässlich eines gemeinsamen Besuches mit Rainer Feuerstack im Jahre 2010.
Er war körperlich nicht mehr in der Lage, zur 40-Jahr-Feier der Universität nach Augsburg zu kommen. So vereinbarten Rainer Feuerstack und ich an¬schließend an die Feier in Augsburg den Besuch bei ihm in München, wo er seit dem Tode seiner Frau lebte.
Es war beeindruckend zu erleben, wie der zwar körperlich schwache, aber geis-tig nach wie vor starke Louis Perridon sich mit dem ca. 25 Jahre jüngeren Rai-ner Feuerstack zur heutigen Lage der Universitäten austauschte.
Besonders in Erinnerung blieb mir auch, dass er meinte, man müsse ein Buch über die Hethiter schreiben, denn diese hätten ja schließlich als erste in der Ge-schichte mit Ökonomie und Recht begonnen.

Zur Überraschung aller entschloss er sich dann im Jahr 2011, die Wohnung in München aufzulösen und mit seiner Pflegerin Andrea in deren Heimat nach Ru-mänien in die Nähe von Hermannstadt überzusiedeln.

Es ist doch eine seltsame Fügung, dass der Weltbürger Louis Perridon die letz-ten Jahre dort verbrachte und nun im Friedhof eines kleinen Dorfes mit wenigen hundert Einwohnern, in Hetzeldorf, ruht. RIP!

Augsburg, im April 2016
Max Weinkamm

P.S. Die Universität Augsburg gedenkt ihres Gründungspräsidenten offiziell im Rahmen des dies academicus am 03.06.2016 ab 11.00 Uhr durch eine Rede der amtierenden Präsidentin.

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